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Wenn die Seele spricht

Hier findest du Texte, Gedanken und Geschichten,

die geschrieben wurden, um dich zu berühren.

Das Verlorene Etwas

 

Es gibt etwas in meinem Leben, von dem kaum jemand weiß?

Etwas, das nicht hier ist – und doch immer in mir bleibt.

 

Es hat keinen Namen, und doch rufe ich es im Stillen.

Es hat kein Gesicht, und doch sehe ich es in meinen Träumen.

Es hat keinen Platz in dieser Welt gefunden,

und doch trägt mein Herz eine Spur davon.

 

Manchmal frage ich mich, wie es gewesen wäre,

wenn das was fehlt, geblieben wäre.

Wenn eine Tür sich geöffnet, ein Atemzug die Stille durchbrochen hätte.

 

Doch das Leben ging anders.

Die Gründe verblassen

Die leere bleibt.

 

Und in dieser Leere liegt etwas Eigenes:

eine Liebe, die nicht vergeht, weil sie nie an Bedingungen geknüpft war.

 

Das Verlorene ist unsichtbar.

Aber vergessen ist es nicht.

Ralf Hilles

Der Platz gegenüber

 

Ich öffne die Tür, als hätte sie all die Jahre nur auf mich gewartet.

Der Geruch von Staub, altem Holz und Erinnerung liegt in der Luft.

 

Im Wohnzimmer steht noch immer der Tisch, an dem wir früher saßen, zwei Stühle, einer leer.

 

Ich gehe langsam hinüber.

Der Abend fällt durchs Fenster, warm und schräg, wie damals.

Ich streiche mit der Hand über die Lehne des Stuhls.

So still war es hier nie.

 

Ich setze mich.

Nicht auf deinen Platz, sondern auf meinen.

Dorthin, wo ich immer saß, wenn du mir Geschichten erzählt hast,

die von Mut klangen, selbst wenn du Angst hattest.

 

„Weißt du,“ sage ich in den Raum hinein, „man lernt irgendwann, weiterzugehen. Aber keiner sagt dir,

dass man dabei immer ein Stück zurückbleibt.“

 

Draußen raschelt der Wind im alten Apfelbaum.

Ich könnte schwören, ich hörte dein Lachen, dieses helle,

das in den Ecken hängen blieb.

Ich schließe die Augen, nur für einen Atemzug.

 

„Ich hab’s versucht“, flüsterte ich.

Zu leben, wie du’s dir gewünscht hättest.

Zu lieben, ohne Angst.

Zu glauben, dass Zeit heilt.“

 

Kein Laut.

Nur das leise Knacken des Holzes.

Und doch spüre ich, wie etwas im Raum sich verändert.

Als würde jemand über meine Schulter sehen.

Ein Hauch, kaum mehr als ein Atem.

 

Ich öffne die Augen – dein Stuhl steht da wie immer.

Aber für einen Moment scheint das Licht genau auf ihn zu fallen.

Und es fühlt sich an, als würdest du nicken.

 

Ich lächle.

Zum ersten Mal nicht aus Trauer, sondern aus Dankbarkeit.

Ich nehme den Schlüssel vom Haken, lösche das Licht und gehe hinaus.

 

Draußen fliegt ein Vogel auf, lautlos in die Dämmerung.

 

Wir wissen nicht, ob es wirklich so passiert ist.

Aber es könnte ja sein.

Ralf Hilles

Peter und Lumo

 

Peter war sechs, als er Lumo bekam – ein winziger Hund, kaum größer als seine beiden Hände.

Ein Bündel aus Wärme, Fell und Atem,

das jeden Raum heller machte.

 

Von diesem Tag an waren sie ein Team

 

Sie liefen durch Wiesen, fingen Blätter im Wind, teilten Brotrinden und Geheimnisse.

Lumo schlief an Peters Füßen, hörte ihm zu wenn er weinte, und wusste immer, wann das Herz schwer war...

lange bevor Peter es selbst begriff.

 

Jahre vergingen...

Peter wurde älter, und Lumo wurde grau.

 

Die Spiele wurden leiser, die Wege kürzer.

Aber wenn Peter von der Arbeit kam und den Schlüssel drehte, hörte er noch immer das Kratzen kleiner Pfoten hinter der Tür.

 

Dann, eines Tages, kam jener Morgen.

 

Kein kratzen, kein Schnuppern, kein freudiges Bellen.

Lumo lag auf sein er Decke, still als hätte er beschlossen, einfach schon ein Stück voraus zu gehen.

 

Peter kniete sich hin, legte die Hand auf das weiche Fell und flüsterte, komm schon Lumo...

Lumo steh auf.

 

Doch Lumo blieb liegen, friedlich, still... vollkommen still.

 

Unter dem alten Apfelbaum im Garten grub Peter eine kleine Mulde… Tränen rannen ihm über das Gesicht.

 

Er legte Lumo hinein, zusammen mit dem roten Ball,

den sie nie müde geworden waren zu werfen.

 

Die Erde war kühl, der Himmel hell und Peter verstand,

dass Liebe bleibt,

selbst wenn das Leben sie loslässt.

 

Und traurig dachte er... Tiere sind nicht einfach nur Tiere.

Sie sind sind ein Teil von uns, unsere Freunde,

die stillen Zeugen unserer Tage,

die Hüter unserer Schwächen,

die Freunde die nie fragen, wer wir gerade sind.

 

Man sagt sie gehen über eine Brücke aus Licht wenn sie uns verlassen.

Peter glaubt das.

Denn manchmal, wenn der Abend weich wird und der Wind durch den Garten streicht, meinte er, ein leises Bellen zu hören.

 

Dann lächelt er.

Und flüstert:

Ich weiß mein Freund ich weiß.

Ralf Hilles

The Impossible Dream

 

Manchmal gibt es ein Lied, das nicht an unseren Ohren klopft,

sondern an etwas, das tiefer liegt.

Etwas, das wir lange nicht berührt haben.

 

The Impossible Dream spricht nicht von Helden.

Es spricht von Menschen, die trotz allem weitergehen.

 

Von denen, die nachts wach liegen und sich fragen, ob sie noch die Kraft haben für einen weiteren Schritt.

 

Von denen, die geliebt haben, und verloren.

Die geträumt haben, und enttäuscht wurden.

Die gefallen sind, und trotzdem wieder nach ihrem Schwert greifen,

 

Denn dieser Traum… dieser eine große, unmögliche Traum…

gehört denen, die ihn nicht aufgeben können.

Nicht, weil er leicht ist, sondern weil er wahr ist.

 

Vielleicht ist der Sinn des Lebens nicht, zu gewinnen.

Vielleicht ist der Sinn, trotz allem weiterzugehen

 

Vielleicht ist der Sinn, etwas Größeres zu schützen,

auch wenn niemand es sieht.

 

Vielleicht ist der Sinn, einen Traum zu tragen, der uns manchmal zu schwer erscheint.

 

Doch genau dort…

wo wir glauben, wir brächen daran,

beginnt diese leise, sanfte Wahrheit:

 

Ein Möglicher Traum ist kein Fehler.

Es ist ein Versprechen.

 

Ein Versprechen, dass irgendwo in uns ein Licht brennt,

das nicht bereit ist zu sterben.

 

Und deshalb…

gehe ich weiter.

Mit zitternden Händen.

Mit müden Augen.

Mit einem Herzen, das mehr Narben trägt als Wünsche.

 

Und doch…

ich gehe.

 

Nicht, weil ich sicher bin,

Sondern weil ich noch träume.

 

Denn vielleicht…

ist der unmögliche Traum genau der, der mich am Leben hält..

Ralf Hilles

Das Flackernde Licht

 

Es begann an einem dieser Abende,

an denen die Welt ein wenig zu schwer wirkte.

Der Himmel hing tief, wie ein Vorhang aus grauer Wolle, und der Wind schlich kalt durch die Ritzen der Häuser.

Peer saß allein in seinem Wohnzimmer, das nur von einer einzigen Kerze erleuchtet wurde – einer Kerze, die er längst hätte wegwerfen sollen.

Schief, halb abgebrannt, und doch..

irgendwie treu.

 

Er zündete sie an, mehr aus Gewohnheit als aus Hoffnung.

Und sofort begann sie zu flackern.

Nicht wie ein normales Flackern, das von Luftzügen kommt.

Es war ein anderes.

Ein sanftes Zittern, ein Aufleuchten, ein Zurückziehen – fast so, als würde diese kleine Flamme etwas sagen wollen.

 

Peer lehnte sich zurück, schloss die Augen einen Moment, und als er wieder hinsah, schien das Licht heller geworden zu sein.

„Was willst du mir denn erzählen?“, murmelte er, nicht wirklich erwartende, dass ein Licht antwortet.

 

Doch dann geschah etwas Merkwürdiges:

Immer wenn ein Gedanke in ihm aufstieg – einer dieser schweren Gedanken, die frücken und ziehen – wurde die Flamme kleiner.

Und immer wenn ein warmer, leiser Gedanke auftauchte,

wuchs sie wieder.

 

Peer testete es.

Er dachte an all die Fehler seines Lebens – die Flamme zitterte und sank.

Er dachte an Menschen, die er liebte – und sie wurde klar, ruhig, leuchtend.

 

Schließlich dachte er an die eine Frage, die ihn schon so lange begleitete:

„Bin ich eigentlich noch da?“

 

Und genau in diesem Moment stieg die Flamme plötzlich hoch, warm, golden wie Sonnenlicht, das durch ein Fenster fällt.

Es war, als würde sie antworten.

„Ja. Mehr als du glaubst.“

 

Peer schluckte, und für einen Augenblick stiegen Tränen in seine Augen.

Es war so absurd – mit einer Kerze zu reden!

Und doch fühlte es sich an, als würde er nach langer Zeit einmal wieder gesehen.

 

Als das Licht sich wieder beruhigte, bemerkte er einen seltsamen Schatten an der Wand.

Zuerst dachte, es sei der Wind.

Doch dann sah er:

Der Schatten form sich nicht zufällig, sondern wie eine Gestalt, die sich ein wenig vorbeugte, als höre sie zu.

 

Das Licht antwortete nicht.

Es musste auch nicht.

Denn plötzlich wusste er, ohne zu wissen warum:

Manchmal sind die stillsten Zeichen die lautesten.

 

Die Kerze brannte noch eine Weile weiter, ruhig, klar – so als wolle sie die Nacht für ihn halten.

Und als sie schließlich herunterglühte und nur noch eine glimmende Spitze übrig war, da hatte Peer das Gefühl, dass etwas in ihm selbst heller geworden war.

 

Vielleicht war es nur eine Kerze gewesen.

Oder vielleicht… war es einer dieser kleinen, sanften Hinweise, die das Leben schickt,

wenn ein Mensch kurz davor ist, sich selbst zu verlieren.

 

Als das flackernde Licht endgültig erlosch, blieb ein warmer Rest in seinem Herzen zurück.

Ein Versprechen, das niemand ausgesprochen hatte – und das doch da war.

 

„Du bist nicht allein.

Und du wirst den Weg wiederfinden.“

 

Ralf Hilles

Wenn wir auf Sternen wandeln

 

Die Nacht war still an diesem Abend, so still,

dass selbst der Wind den Atem anzuhalten schien.

Über den Dächern lag ein Himmel, der wirkte, als hätte jemand ihn mit einem weichen, unsichtbaren Tuch poliert.

 

Jeder Stern glänzte ein wenig heller, ein wenig wacher, als warteten sie auf etwas.

Oder auf jemanden.

 

Du standest am Fensterrand,

die Hände auf dem kühlen Rahmen, und spürtest dieses vertraute Ziehen tief in der Brust.

 

Dieses leise, kaum wahrnehmbare Flüstern, das manchmal auftaucht, wenn ein Tag zu schwer war, um ihn einfach abzulegen.

 

Und dann kam der Gedanke:

was wäre, wenn wir einfach hinausgingen?

Nur für einen Augenblick.

Raus aus all dem, hinein in die Sterne.

 

Du machst die Augen zu, und ab sofort hob sich etwas in dir, sanft wie ein Streicher,

der den ersten Ton einer Violine streichelt.

 

Ein feiner Bogenstrich, der durch die Dunkelheit gleitet.

Ein Orchester, das langsam erwacht.

 

Und plötzlich warst du nicht mehr allein.

 

Eine Gestalt trat neben dich, leuchtend, ruhig, so selbstverständlich wie ein alter Freund,

der ohne Worte versteht.

 

Er sah dich an, lächelte dieses stille, wissende Lächeln, und sagte nur:

 

Komm. Heute tragen wir nicht die Erde... heute trägt uns der Himmel.

 

Und ehe du antworten konntest, lösten sich eure Schritte vom Boden.

 

Zuerst nur ein Hauch, dann ein Schweben, dann ein sanftes Hinaufgleiten wie zwei Funken, die sich von Feuer lösen.

 

Unter euch die Welt, klein, weichgezeichnet, ohne Kanten.

Über euch das große, weite Schweigen der Sterne.

 

Du spürtest, wie sich alles von dir löste:

die Müdigkeit, die Sorgen, dieses Gefühl,  zu viel zu tragen und doch nicht loslassen zu dürfen.

 

Da oben, zwischen zwei Sternenbahnen, wehte ein anderer Wind.

Einer, der nicht an der Haut zerrte, sondern das Herz streichelte.

 

Ihr wandertet über ein helles Sternenband, das unter euren Füßen knisterte wie Frost am frühen Morgen.

Manchmal schimmerte es in Gold, manchmal in Silber, manchmal in einem leisen Blau,

das nur existieren kann,

wenn eine Violine es vorher berührt hat.

 

Warum fühle ich mich hier so leicht? Fragtest du.

Die Gestalt neben dir legte seine Hand auf deine Schulter.

 

Weil alles, was dich beschwert, unten bleibt, wenn du dich traust, nach oben zu sehen.

 

Du bleibst stehen.

Über dir funkelte ein einzelner Stern heller als alle anderen – und du wusstest ohne Erklärung, dass er etwas mit dir zu tun hat.

 

Etwas, das dich ruft.

Etwas, das an dich glaubt, auch an den Tagen, an denen du es selbst kaum kannst.

 

Dieser Stern, sagte dein Begleiter leise, wird nie erlöschen, solange du dich erinnerst,

dass du mehr bist als das, was dich müde macht.

 

Und dann, ein letzter Bogenstrich der Violinen, weich wie ein Atemzug.

Ein leuchtender Funkenregen, der euch einhüllte.

Ein Gefühl, das man nur einmal im Leben so klar versteht:

 

Du bist auf dieser Welt nicht gefangen.

Du bist auf dieser Welt unterwegs.

Und manchmal darf man dafür auf Sternen wandeln.

 

Als du die Augen wieder öffnetest, standest du wieder am Fenster.

Die Nacht war dieselbe.

 

Aber du nicht mehr, du warst ein anderer.

Ralf Hilles

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Ralf Hilles - Autor

63933 Mönchberg

ralf.hilles.autor@gmail.com

ralf.hilles@yahoo.de

 

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